Neue Leitlinien für die Diagnostik der koronaren Herzkrankheit

Die Diskussion über die Vertretbarkeit des Einsatzes von invasiven Methoden der Herzuntersuchung führte zur Aktualisierung der Standards und Empfehlungen für die Diagnose von kardiovaskulären Erkrankungen. Im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl Int 2017, 114 (42): 712-9) wurden die Nationalen Leitlinien für die Behandlung chronisch-ischämischer Herzkrankheiten veröffentlicht. Die von Christian Abus (Universitätsklinikum Köln) initiierten Änderungen betrafen hauptsächlich die Probleme der Kardiodiagnostik.

Neue Leitlinien empfehlen, vor dem Übergang zu den invasiven Verfahren die gesamte Bandbreite an nicht-invasiven Verfahren zu nutzen, die sich auch durch hohe Sensitivität und Spezifität auszeichnen.

Im ersten Schritt der Untersuchung sollte der behandelnde Arzt eine genaue Anamnese erheben und die Ergebnisse gemäß der aktualisierten Skala der KHK-Wahrscheinlichkeit für Patienten mit Brustschmerz – Marburg Heart Score bewerten, die in dieser Leitlinie enthalten war.

Um die Skala anzuwenden, müssen folgenden Faktoren bestimmt werden:

  • Alter / Geschlecht
  • Bekannte klinische vaskuläre Erkrankung
  • bei Bewegung auftauchende Beschwerden
  • Durch Palpation nicht abrufbare Schmerzen
  • Besorgnis des Patient, dass die Schmerzen auf eine Herzerkrankungen zurückzuführen sind

Jeder Score-Variable wird ein Punkt zugewiesen, dann werden die Scores summiert und der resultierende Wert wird mit dem Risikowert korreliert: Wenn die Summe 2 von 5 ist, ist die KHK-Entwicklung aufgrund einer Stenose der Herzkranzgefäße unwahrscheinlich (<5% ).

Beim Verdacht auf eine stabile KHK, empfiehlt die Leitlinie, sich nur dann einer Koronarangiographie zu unterziehen, wenn eine zu Revaskularisation erwartet ist. Es ist möglich, KHK, das sich aufgrund einer Koronararterienstenose entwickelt hat, mittels nicht-invasiver diagnostischer Verfahren mit einer Sensitivität und Spezifität von bis zu 85% zu identifizieren. Es sollte jedoch nicht übersehen werden, dass wenn die Wahrscheinlichkeit einer KHK-Entwicklung aufgrund einer körperlichen Untersuchung weniger als 15% oder mehr als 85% beträgt, die Ergebnisse entweder falsch-positiv oder falsch-negativ sein können. Nicht-invasive Verfahren umfassen: CT-Angiographie, Belastungs-EKG, Myokard-Perfusions-SPECT, Stressperfusions-MRT, MRT Stress Herz mit Dobutamin. Wenn die Wahrscheinlichkeit einer Entwicklung von KHK innerhalb von 15% -30% variiert, kann auch eine Belastungs-EKG zum Einsatz kommen.

Zum ersten Mal in der Leitlinie wurde eine Bewertung des psychologischen Zustands aufgenommen, d. H. der Arzt sollte zunächst Daten über den mentalen, physischen und sozialen Status des Patienten sammeln. Die besten prognostischen Kriterien sind depressive Störungen nach einem akuten Koronarsyndrom.